MEINE STIMME!

Friday, December 12th, 2008 @ 11:09 pm | *all*, deutsch

Wie sah die Zukunft aus als ich noch jung war? Ich wusste das wenn man älter wird man wird erwachsen, man wird besser, schlauer, vernünftiger, es gibt dann keine böse oder dumme Menschen mehr, das Leben wir permanent besser bis man irgendwann im hohen alter stirbt.

Ich sitze mit ihr in meinem Zimmer, gemeinsam auf meinem Bett. Meine Hände wandern über ihren Körper, ziehen langsam Kleiderstücke mit sich mit auf den Boden. Unsere Lippen berühren sich zärtlich, unsere Zungen treffen sich.

Draußen vor dem Fenster, vergebene Rufe ‚Bitte tue es nicht‘.

Tränen vor Schmerz. Ein Körper sinkt auf die Knie, weiter zum Boden. Ich höre sie nicht. Tränen der Leidenschaft, unsere Körper legen sich nieder in das rote Laken meines Bett.

Ich küsse Ihre Wangen, Ihren Hals, Ihre Brust.

Ein letzter hoffnungsloser Schrei versucht das Fenster zu erreichen. Ich höre sie nicht.

Ergeben bin ich dieser, meiner neuen Welt. Liebe. Ich liebe, ich fühle, ich spüre und bin zum ersten mal nicht taub.

Es ist eine Zeit her, damit muss man leben. Es ist immer Zeit die vergeht, die heilt, die neues bringt. Meine Stimme ist eine andere, das verwundert selbst mich. Tiefer, bestimmter. Ich finde es angenehm meinen Gedanken zu lauschen. Ich gehe dem aus dem Weg was mich schwach fühlen lässt. Schreiben in meiner Sprache, Familie, manche Freunde. Ich muss selektieren, anders geht es nicht.

Immer noch auf der Suche nach dem Licht, das Licht welches mich zur Erleuchtung führen mag. Bitte wartet nicht auf mich! Ich bin 24, jung und mache gerade erst den ersten Schritt. Ein paar Jahre ist es her, einige mehr werden es sein. Aber zum ersten mal, wenn auch nur ein kleines wenig, ich fühle es, ich fühle etwas, Ich fühle den Weg, ich fühle das Ziel. Ich spüre meinen Schritt. Zum ersten mal greife ich nach meinem Leben und lasse nicht los. Ich sehe einen Sinn.

Ich habe meine geliebte Kamera. Habe so lange dafür gearbeitet. Mein Leben hat sich geändert. Meine träumende Seele war dem Tod so nahe. Eine schmerzhafte Liebe, Schmerz ohne Liebe belebte mich mit einem Schlag wie tausende Volt ein totes Herz wieder ins Leben zurück bringen. Viele Wochen ist es her und ich spüre kaum noch den Schlag. Ich spüre mein Leben, meine Träume und das ich fast alles erreichen kann. Fast alles bedeutet. Auf dem Weg zu sein ist schon das Ziel. Ich bin auf dem Weg.

Wenn ich so zurück denke… Spielen im Wald mit meinen Freunden, aus Kindern wurden Teenager, Jugendliche, erste Mädchen, das Leben ein einziges Experiment. Neue Freunde, alte Freunde, Liebe und Streit, die Schule war zu Ende, irgendwie war immer was neues am Start, keiner kann sich mehr erinnern wie alles angefangen hat aber man ist sich schon sicher am Anfang war alles besser. Schon war man seit Jahren mitten drin, bloß schnell raus hier, weg von denen die man nicht mehr kennt, schon bist du wieder drin, bis du dann vollkommen versagst.

Wo bin ich? Verloren greifst du nach einem letzten Halm und ziehst dich raus.

Wer bin ich?

Bin ich überhaupt?

Wo sind meine Freunde?

Wo ist mein bester Freund?

Kann sich noch jemand erinnern?

Wie ist das passiert?

Wie konnte das passieren?

Wann haben wir aufgehört eins zu sein?

Wann konnten wir das letzte mal reden?

Mit letzter Kraft an diesem Halm, eingewickelt im Gift der vergangenen Jahre. So hart ist der Weg bergauf und doch gehst du weiter, manchmal ist es die Sonne, manchmal der frische neue Wind der Kraft gibt. Es ist nun schon wieder Jahre her. Immer noch halb blind, immer noch ein wenig taub fühlst du ein wenig Wahrheit. Niemand hat es dir versprochen, niemand spricht aus Erfahrungen wenn er sagt:

Am Ende des Tunnels wartet das Licht!

…und doch gehst du weiter. Du glaubst, du weißt, du fühlst. Aufgeben kannst du nicht. Von dem kleinen Halm auf dessen spitze du stehst springst du noch weiter zu einem großen Baum.

Du kannst nicht zurück, nicht ohne das Licht. Langsam bist du dir sicher das du verstehst. So viele Jahre ist es her, noch nicht mal auf dem halben Weg siehst du alles so klar.

Wie konnte das alles passieren?

Wo sind die Menschen geblieben die wir auf der Strecke gelassen haben?

Körper mit Erinnerungen, mehr scheint da nicht und doch siehst du in ihnen mehr. Nicht mehr alleine auf der Suche schauen wir alle zurück auf das was wir unser Leben nannten. Es war großartig, unglaublich und doch leider gehörte es uns nicht. Wo sind die kleinen aufgeweckten Augen, gerade vom Baum gestiegen und aus dem Wald, so viele Ideen, Hoffnungen, Wünsche, Pläne, Träume, leuchtend in die Zukunft schauend. Ich will an eine Sache glauben, ich werde nicht aufhören zu Träumen und es ist richtig. Ich gebe nicht auf, wie unmögliche es auch scheint. Ich lebe lieber für meinen Traum als mein Leben lang von einem Leben zu träumen. Ich vermisse meine Freunde, meinen besten Freund, meine kleine Schwester, auch meinen Bruder, Familie, und unser selbst bevor wir anfingen zu vergessen. Ich kann mich erinnern! Ich bin gerade 16 Jahre alt und sage zum ersten mal ‚good bye‘ zu meiner Kindheit. Ich kann mich erinnern.

Liebe Grüße an alle! Frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr falls ich nicht mehr dazu komme!! Ich versuche an Opas Geburtstag zu denken… xoxox

Euer Marco

 

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